Gesund und richtig schwimmen trainieren ist alleine schwierig 

Fehler zu korrigieren ist schwieriger als etwas neu zu lernen

Jedem Sprung ins „kalte Wasser“ steht eine Absicht vor, oder besser gesagt: Jeder hat sich ein persönliches Ziel gesetzt, das er/sie erreichen möchte. Sei es besser/ergonomischer schwimmen, schneller schwimmen, eine neue Schwimmtechnik lernen, gesund bleiben oder werden, Fett abbauen …

 

Ich habe schon häufig erlebt, dass es viele bei der Absicht belassen und zwar ganz einfach auf der Tatsache begründet, dass sie nicht richtig schwimmen können oder nicht wissen, wie es geht. Den Faktor Zeit lasse ich an dieser Stelle genauso wenig gelten wie den Faktor Lust. Denn sind wir mal ehrlich – wer sich ein Ziel gesteckt hat, der kann dieses Ziel nicht mit Ausreden erreichen. Und eine halbe Stunde kann wirklich jeder in irgendeiner Form am Tag opfern, wobei “opfern“ in diesem Zusammenhang der völlig falsche Begriff ist. Man tut seinem Körper etwas Gutes und belastet ihn ganzheitlich beim Schwimmen: Von Kopf bis Fuß benötigt man beim Schwimmen eine Körperspannung, dazu kommen die Bewegungen in Beinen und Armen. Zusammen mit den physikalischen Eigenschaften von Wasser ergibt sich ein ideales Ganzkörpertraining, das auch noch die Gelenke schont!

 

Mithilfe des Internets besser schwimmen? Schwierig!

Heutzutage ist es leicht, mithilfe des Internets oder mithilfe von Fachliteratur einen schnellen, einfachen Trainingsplan und vielleicht die ein oder andere Technikübung zu finden. Grundsätzlich ist nichts dagegen einzuwenden, wenn jemand mithilfe dieser den ersten Schritt tut: Nämlich den inneren Schweinehund zu überwinden! Schließlich hat man ja einen Trainingsplan, und dieser suggeriert, man könne sein Ziel einfacher erreichen.

 

Doch so einfach ist es freilich nicht, und genau das möchte ich mit diesem Blogeintrag heute erörtern:

 

Mittlerweile blicke ich auf eine über achtjährige "Karriere" am Beckenrand zurück und es lässt sich erkennen, dass gewisse Technikfehler immer wieder auftreten und dies mit einer fast todsicheren Wahrscheinlichkeit. Teils gravierende Fehler sind so schlecht für einen ökonomischen Schwimmstil, dass ich mich oft wundere, dass diese Fehler überhaupt gemacht werden. Das Problem ist, dass man diese Fehler meist so "drin" hat, dass sie irgendwann nur noch schwer zu verlernen sind!

 

Wer sich über Jahre hinweg einen falschen Stil bzw. die falsche Technik angewöhnt - oder besser automatisiert - hat, für den wird es deutlich anstrengender schnelle Fortschritte zu erzielen. Gerade diesen falschen Automatismus zu lockern bzw. zu beseitigen ist mitunter die größte Herausforderung, die sich einem Übungsleiter stellt.

 

Dazu kommt, dass einzelne Fehler nicht einfach mit einer einzelnen, entsprechenden Korrektur beseitigt werden können. Schwimmen ist ein komplexer Ablauf von koordinierten Bewegungen, ein Zahnrädchen greift immer in ein anderes. Auch wenn einem das Internet quasi allgegenwärtig propagiert, dass eine Selbstkorrektur mithilfe weniger Technikübungen einfach möglich sei, so ist dies schlicht falsch! Sicherlich ist es nicht grundsätzlich verkehrt, sich gründlich zu informieren, nicht zuletzt um besser zu verstehen, warum welche Übungen wie helfen können. Aber sich vorzustellen, dass man sich richtig schwimmen völlig autonom beibringen kann, ist quasi unmöglich.

 

 

Warum ist gerade am Anfang Hilfe nötig?

Während man an Land seine Bewegungsausführung mit Hilfe der richtigen Bewegungsvorstellung noch relativ einfach, z.B. mit Hilfe von Spiegeln, überprüfen kann, ist das im Wasser deutlich schwieriger. Und da diese Kontrolle im Wasser nunmal deutlich schwieriger ist, schleichen sich Fehler ein, die sich automatisieren – völlig ungewollt.

 

Darüber hinaus spielen noch weitere Faktoren eine wichtige Rolle bei der Selbstanalyse:

 

  1. Die richtige Bewegungsvorstellung
    Hast du eine Vorstellung von der idealen Bewegung wie aus dem Lehrbuch? Du siehst zwar, wie die Bewegung ausgeführt werden muss, doch hast du das auch im Wasser so präsent vor Augen?

  2. Das Verständnis für den Fehler
    Du weißt, dass du irgendwas falsch machst. Weißt Du denn sicher, welchen Fehler Du machst bzw. hast Du die richtige Bewegungsvorstellung? Es ist manchmal ein bisschen wie in der Medizin: Es gibt viele Krankheiten, die dieselben Symptome haben. Bloß weil du ständig außer Atem bist, heißt das noch lange nicht, dass dir Kondition fehlt. Du denkst, Dein Armzug ist verkehrt, weil du keinen Vortrieb erzeugst? Was aber, wenn dabei die Beine beim Schwimmen in Beckenbodennähe hängen?

  3. Die falsche Eigenwahrnehmung
    Die Eigenwahrnehmung ist schwierig im Wasser. Der verminderte Widerstand, der hydrodynamische Auftrieb, der veränderte Druck. Mit diesen ungewohnten, neuen Bedingungen umzugehen ist schon nicht leicht. Die gewohnten Bewegungsmuster auf das Element Wasser zu übertragen vielleicht noch eine Stufe härter. Aber dann auch noch sicher sein, dass man sein Bein entsprechend der Bewegungsvorstellung bewegt, ist sehr sehr schwierig.

  4. Die richtige Ausführung der Korrektur
    Ok, du weißt genau welchen Fehler du machst und welche Übung dir helfen kann? Das Video oder das Bild im Buch zeigt deutlich was zu tun ist! Nehmen wir mal an, das sei so und du hast ein gutes Gefühl für deinen Körper. Du sollst z.B. das Kniegelenk möglichst gestreckt lassen, oder deine Hand soll im 45° Winkel zur Wasseroberfläche eintauchen. Wie willst du sicher sein, dass du die Übung korrekt ausführst? Beobachten ist zwar möglich, aber doch nicht die ganzen 3km Trainingsplan...

  5. Das richtige Verständnis für die Übung
    Ist dir überhaupt klar, warum Übung X hilft um Fehler Y zu beseitigen? Wenn du das schon nicht verstehst, wie willst du überhaupt verstehen, warum und wie du den Fehler Y beseitigst?

 

 

 

Wenn dir auch nur einer dieser Punkte bekannt vorkommt, besteht ganz klar die Gefahr, dass sich Fehler automatisieren – und hier sind wir bei der Überschrift: Fehler, die sich automatisiert haben, sind einfach ätzend und schwierig zu verlernen! Deshalb sind Trainingspläne aus dem Internet grundsätzlich noch keine schlechte Sache – doch nur dann, wenn man versteht warum man was schwimmen soll und vor allem wie man diese Pläne RICHTIG schwimmen muss.

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